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Strafverfahren gegen Soldaten

Soldaten stehen vor ordentlichen Gerichten — doch die Konsequenzen gehen weit über das Strafmaß hinaus.

Besonderheiten des Strafverfahrens bei Soldaten

Deutschland kennt keine Militärstrafgerichte. Straftaten von Soldaten werden vor den ordentlichen Strafgerichten — Amtsgericht und Landgericht — verhandelt. Diese Zuständigkeit ergibt sich unmittelbar aus dem Grundgesetz (Art. 96 Abs. 2 GG), das die Einrichtung von Wehrstrafgerichten zwar ermöglicht, aber bisher nicht umgesetzt wurde. Für die Verteidigung bedeutet dies: Es gelten die allgemeinen Regeln der Strafprozessordnung (StPO), ergänzt durch die Besonderheiten, die sich aus dem Soldatenstatus ergeben.

Auf dieser Seite: Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte, Meldepflichten und Informationswege, typische Straftaten im militärischen Umfeld, Bindungswirkung des Strafurteils für das Disziplinarverfahren, Verteidigungsstrategie bei parallelen Verfahren.

Zuständigkeit und Gerichtsbarkeit

Die sachliche und örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach den allgemeinen Regeln der StPO. Bei Straftaten in der Kaserne oder auf dem Dienstgelände ist das Amtsgericht am Standort zuständig. Bei schwerwiegenden Delikten — etwa Totschlag, schwere Körperverletzung oder Sexualstraftaten — liegt die Zuständigkeit beim Landgericht. Die Staatsanwaltschaft führt das Ermittlungsverfahren; die Feldjäger unterstützen als Militärpolizei, haben aber keine eigenständige Strafverfolgungskompetenz.

Meldepflichten und Informationswege

Zwischen Strafjustiz und Bundeswehr bestehen gesetzliche Informationspflichten. Die Staatsanwaltschaft teilt dem Disziplinarvorgesetzten die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens mit. Umgekehrt sind Disziplinarvorgesetzte nach § 33 WDO verpflichtet, Straftaten, die sie im Dienst feststellen, der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. Diese Verzahnung führt dazu, dass ein strafrechtlicher Vorwurf regelmäßig auch ein Disziplinarverfahren nach sich zieht.

Aussageverhalten entscheidend Alles, was ein Soldat gegenüber Vorgesetzten, Feldjägern oder der Polizei aussagt, kann sowohl im Straf- als auch im Disziplinarverfahren verwendet werden. Schweigen Sie — in beiden Verfahren haben Sie das Recht dazu.

Typische Straftaten im militärischen Umfeld

Die häufigsten strafrechtlichen Vorwürfe gegen Soldaten betreffen Körperverletzung (auch im Rahmen von Kameradschaftsabenden), Betäubungsmitteldelikte (Konsum und Besitz in der Kaserne), Diebstahl und Unterschlagung (auch an Bundeswehreigentum), Sexualstraftaten, Nötigung und Bedrohung sowie Verstöße gegen das Waffengesetz. Hinzu kommen spezifisch militärische Straftaten wie Fahnenflucht (§ 16 WStG) oder Gehorsamsverweigerung (§ 20 WStG), die im Wehrstrafgesetz geregelt sind.

Das Wehrstrafgesetz (WStG) Das WStG enthält eigenständige Straftatbestände, die nur für Soldaten gelten: Fahnenflucht, eigenmächtige Abwesenheit, Gehorsamsverweigerung, Meuterei, Wachverfehlung, Feigheit vor dem Feind und weitere militärspezifische Delikte. Diese Straftaten werden ebenfalls vor den ordentlichen Gerichten verhandelt.

Bindungswirkung des Strafurteils

Die tatsächlichen Feststellungen eines rechtskräftigen Strafurteils binden das Truppendienstgericht im nachfolgenden Disziplinarverfahren. Diese Bindungswirkung nach § 84 WDO bedeutet: Was das Strafgericht als erwiesen ansieht, gilt auch im Disziplinarverfahren — und umgekehrt: Ein Freispruch im Strafverfahren kann die Grundlage für eine schwere Disziplinarmaßnahme entziehen. Die Verteidigung im Strafverfahren ist daher zugleich Verteidigung im Disziplinarverfahren.

Aussetzung des Disziplinarverfahrens (§ 83 WDO)

Ist wegen desselben Sachverhalts ein Strafverfahren anhängig, wird das gerichtliche Disziplinarverfahren in der Regel nach § 83 WDO ausgesetzt. Die Aussetzung ist jedoch nicht zwingend — das Truppendienstgericht kann das Disziplinarverfahren auch parallel weiterbetreiben. Für die Verteidigung ist die Aussetzung strategisch bedeutsam: Sie verschafft Zeit, und der Ausgang des Strafverfahrens präjudiziert das Disziplinarverfahren erheblich.

Verteidigungsstrategie bei parallelen Verfahren

Die gleichzeitige Bedrohung durch Strafe und Disziplinarmaßnahme erfordert eine Verteidigungsstrategie, die beide Verfahren von Anfang an im Blick hat. Ein Geständnis im Strafverfahren — selbst wenn es dort zu einer milden Strafe führt — kann im Disziplinarverfahren die Grundlage für eine Dienstgradherabsetzung oder Entfernung aus dem Dienstverhältnis bilden. Umgekehrt kann ein Freispruch oder eine Verfahrenseinstellung die disziplinarrechtlichen Konsequenzen erheblich abmildern.

Rechtsanwalt Meyer verteidigt Soldaten koordiniert in beiden Verfahren — vor dem Strafgericht und vor dem Truppendienstgericht. Die langjährige Erfahrung mit der Bundeswehrjustiz am Marinestandort Kiel gewährleistet eine Verteidigung, die die Besonderheiten des militärischen Umfelds kennt und berücksichtigt.

Sofort handeln

Wenn Sie als Soldat mit einem strafrechtlichen Vorwurf konfrontiert werden: Machen Sie keine Aussage — weder gegenüber den Feldjägern noch gegenüber Ihrem Disziplinarvorgesetzten. Kontaktieren Sie sofort einen Strafverteidiger. Auf unserer Erste-Hilfe-Seite finden Sie eine Übersicht Ihrer Rechte.

Weiterführende Informationen: Disziplinarverfahren nach der WDO · Das Truppendienstgericht · Wehrstrafrecht — Übersicht

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