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Das Truppendienstgericht

Gerichtliche Disziplinarmaßnahmen — von der Kürzung der Dienstbezüge bis zur Entfernung aus dem Dienstverhältnis.

Das Truppendienstgericht — Zuständigkeit und Verfahren

Die Truppendienstgerichte sind besondere Gerichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit und ausschließlich für gerichtliche Disziplinarmaßnahmen gegen Soldaten der Bundeswehr zuständig. Sie entscheiden über die schwersten Disziplinarmaßnahmen: Kürzung der Dienstbezüge, Beförderungsverbot, Dienstgradherabsetzung und Entfernung aus dem Dienstverhältnis. In Deutschland bestehen zwei Truppendienstgerichte — Nord mit Sitz in Münster und Süd mit Sitz in München.

Auf dieser Seite: Zuständigkeit der Truppendienstgerichte, Besetzung der Kammern, Verfahrensablauf, mündliche Verhandlung, Urteil und Maßnahmenbemessung, Berufung zum Bundesverwaltungsgericht, Verteidigungsstrategie.

Zuständigkeit

Das Truppendienstgericht ist zuständig für gerichtliche Disziplinarverfahren gegen Soldaten, für Beschwerden in Wehrbeschwerdesachen und für wehrdienstrechtliche Streitigkeiten. Für Soldaten mit Standort in Norddeutschland — insbesondere am Marinestandort Kiel — ist das Truppendienstgericht Nord in Münster zuständig. Die räumliche Entfernung ändert nichts an der Verteidigungsmöglichkeit: Rechtsanwalt Meyer nimmt regelmäßig Verhandlungstermine in Münster wahr.

Besetzung der Kammer

Die Kammer des Truppendienstgerichts besteht aus einem Berufsrichter als Vorsitzendem und zwei ehrenamtlichen Richtern. Die ehrenamtlichen Richter sind aktive Soldaten, die aus einer Vorschlagsliste berufen werden. Diese Besetzung soll sicherstellen, dass militärische Sachkenntnis und dienstliche Erfahrung in die Urteilsfindung einfließen. Für die Verteidigung bedeutet dies: Die Argumentation muss nicht nur juristisch überzeugen, sondern auch die militärische Perspektive der ehrenamtlichen Richter ansprechen.

Ablauf des gerichtlichen Disziplinarverfahrens

Das Verfahren vor dem Truppendienstgericht gliedert sich in mehrere Phasen. Nach Eingang der Anschuldigungsschrift der Wehrdisziplinaranwaltschaft prüft das Gericht die Zulässigkeit und eröffnet das Verfahren. Der Soldat erhält die Anschuldigungsschrift zugestellt und hat Gelegenheit zur Stellungnahme. Das Gericht kann weitere Ermittlungen anordnen oder unmittelbar Termin zur mündlichen Verhandlung bestimmen.

Die mündliche Verhandlung

Die mündliche Verhandlung vor dem Truppendienstgericht folgt einem förmlichen Ablauf: Verlesung der Anschuldigungsschrift, Vernehmung des Soldaten, Beweisaufnahme (Zeugenvernehmung, Urkundenvorlage, Sachverständigengutachten), Plädoyers der Wehrdisziplinaranwaltschaft und der Verteidigung, letztes Wort des Soldaten, Urteilsverkündung. Die Verhandlung ist grundsätzlich nicht öffentlich — es sei denn, der Soldat beantragt die Öffentlichkeit.

Nicht-Öffentlichkeit Anders als im Strafverfahren ist die Verhandlung vor dem Truppendienstgericht grundsätzlich nicht öffentlich. Der Soldat kann jedoch die Öffentlichkeit beantragen. Diese Entscheidung sollte strategisch abgewogen werden — die Öffentlichkeit kann im Einzelfall Vor- oder Nachteile haben.

Maßnahmenbemessung

Bei der Bemessung der Disziplinarmaßnahme berücksichtigt das Truppendienstgericht die Schwere des Dienstvergehens, das Persönlichkeitsbild des Soldaten, die bisherige Dienstführung, Milderungsgründe und Erschwerungsgründe. Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hat hierzu ein differenziertes Bemessungssystem entwickelt. Die Verteidigung muss alle entlastenden Umstände systematisch herausarbeiten: langjährige tadelsfreie Dienstzeit, Auslandseinsätze, dienstliche Beurteilungen, persönliche Belastungssituationen, Reue und Einsicht.

Regelmaßnahme und Milderungsgründe Für bestimmte Dienstvergehen hat die Rechtsprechung Regelmaßnahmen entwickelt. Bei einem Zugriffsdelikt (Diebstahl, Unterschlagung) ist die Regelmaßnahme die Entfernung aus dem Dienstverhältnis. Von dieser Regelmaßnahme kann nur abgewichen werden, wenn anerkannte Milderungsgründe vorliegen — etwa eine persönliche Notlage, ein einmaliges Versagen in einer besonderen Situation oder ein freiwilliges Offenbaren der Tat.

Berufung zum Bundesverwaltungsgericht

Gegen Urteile des Truppendienstgerichts ist die Berufung zum Bundesverwaltungsgericht (Wehrdienstsenate) in Leipzig möglich. Die Berufung muss innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollständigen Urteils eingelegt und innerhalb eines weiteren Monats begründet werden. Die Berufung kann sich gegen die Schuldfeststellung, die verhängte Maßnahme oder beides richten. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet als zweite und letzte Tatsacheninstanz — eine Revision gibt es im Wehrdisziplinarrecht nicht.

Verteidigungsstrategie vor dem Truppendienstgericht

Die Verteidigung vor dem Truppendienstgericht erfordert Kenntnisse sowohl des Wehrdisziplinarrechts als auch des allgemeinen Strafrechts — denn die Feststellungen eines Strafurteils binden das Truppendienstgericht. Eine erfolgreiche Verteidigung setzt bereits vor der mündlichen Verhandlung an: Akteneinsicht, Prüfung der Anschuldigungsschrift, Einholung von Leumundszeugnissen, Sammlung entlastender dienstlicher Beurteilungen und — wenn ein paralleles Strafverfahren läuft — Koordination beider Verteidigungen.

Rechtsanwalt Meyer verteidigt Soldaten vor dem Truppendienstgericht Nord in Münster und dem Truppendienstgericht Süd in München sowie in der Berufungsinstanz vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Sofort handeln

Wenn ein gerichtliches Disziplinarverfahren eingeleitet wurde oder Ihnen die Einleitung angekündigt wird: Kontaktieren Sie sofort einen Verteidiger. Je früher die Verteidigung beginnt, desto mehr Handlungsspielraum besteht. Auf unserer Erste-Hilfe-Seite finden Sie eine Übersicht Ihrer Rechte.

Weiterführende Informationen: Strafverfahren gegen Soldaten · Disziplinarverfahren nach der WDO · Wehrstrafrecht — Übersicht

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