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Beamtenstrafrecht in Kiel

Statusverlust, Disziplinarverfahren, Entfernung aus dem Dienst — als Beamter brauchen Sie einen Verteidiger, der Straf- und Disziplinarrecht koordiniert.

Beamtenstrafrecht und Disziplinarrecht in Kiel

Beamte unterliegen neben dem allgemeinen Strafrecht einem eigenständigen Disziplinarrecht. Ein strafrechtlicher Vorwurf — ob Dienstdelikt oder außerdienstliches Fehlverhalten — kann zwei parallele Verfahren auslösen: ein Strafverfahren vor dem Amts- oder Landgericht und ein Disziplinarverfahren nach dem Landesdisziplinargesetz Schleswig-Holstein (LDG SH) oder dem Bundesdisziplinargesetz (BDG). Beide Verfahren erfordern eine koordinierte Verteidigung, denn das Ergebnis des Strafverfahrens bestimmt maßgeblich die disziplinarrechtlichen Konsequenzen.

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Das Dienstvergehen (§ 47 BeamtStG)

Beamte begehen ein Dienstvergehen, wenn sie schuldhaft die ihnen obliegenden Pflichten verletzen (§ 47 Abs. 1 BeamtStG). Die beamtenrechtlichen Pflichten sind umfassend: Treuepflicht, Mäßigungspflicht, Gehorsamspflicht, Verschwiegenheitspflicht, Pflicht zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten. Auch außerdienstliches Verhalten kann ein Dienstvergehen begründen, wenn es nach den Umständen des Einzelfalls geeignet ist, das Vertrauen in die Amtsführung zu beeinträchtigen.

Typische Dienstvergehen bei Beamten Bestechlichkeit und Vorteilsannahme, Geheimnisverrat, Untreue und Unterschlagung, Körperverletzung im Amt, Steuerhinterziehung, Betäubungsmitteldelikte, Sexualstraftaten, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, Diebstahl, unerlaubte Nebentätigkeit, Verstoß gegen die politische Mäßigungspflicht.

Statusverlust kraft Gesetzes (§ 24 BeamtStG)

Die gravierendste Folge einer strafrechtlichen Verurteilung ist der automatische Verlust des Beamtenstatus. Nach § 24 Abs. 1 BeamtStG endet das Beamtenverhältnis kraft Gesetzes, wenn ein Beamter wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr rechtskräftig verurteilt wird. Bei bestimmten Delikten — insbesondere Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Landesverrat und Gefährdung der äußeren Sicherheit — genügt bereits eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten. Der Statusverlust tritt automatisch mit Rechtskraft des Strafurteils ein, ohne dass ein gesondertes Disziplinarverfahren erforderlich wäre.

Automatischer Statusverlust Der Verlust nach § 24 BeamtStG ist unwiderruflich. Mit dem Beamtenstatus entfallen sämtliche Besoldungs- und Versorgungsansprüche — einschließlich des Ruhegehalts. Die Verteidigung im Strafverfahren muss dieses Risiko von Anfang an berücksichtigen: Jede Verteidigungsstrategie muss darauf ausgerichtet sein, eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr zu vermeiden.

Disziplinarmaßnahmen nach dem LDG SH

Das Landesdisziplinargesetz Schleswig-Holstein sieht abgestufte Disziplinarmaßnahmen vor. Der Dienstherr kann im behördlichen Disziplinarverfahren Verweis und Geldbuße verhängen. Die schwereren Maßnahmen — Kürzung der Dienstbezüge, Zurückstufung und Entfernung aus dem Beamtenverhältnis — bedürfen einer Disziplinarklage vor dem Verwaltungsgericht. Bei Ruhestandsbeamten tritt die Aberkennung des Ruhegehalts an die Stelle der Entfernung aus dem Dienst.

Für Bundesbeamte (Zoll, Bundespolizei, Bundesfinanzverwaltung) gilt das Bundesdisziplinargesetz (BDG). Die Systematik ist vergleichbar, die Zuständigkeit liegt beim Verwaltungsgericht des Bundes. Rechtsanwalt Meyer verteidigt Landes- und Bundesbeamte gleichermaßen.

Paralleles Straf- und Disziplinarverfahren

Bei Beamten, die einer Straftat beschuldigt werden, laufen regelmäßig beide Verfahren parallel. Das Disziplinarverfahren wird häufig ausgesetzt, bis das Strafverfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Die tatsächlichen Feststellungen eines rechtskräftigen Strafurteils sind für das Disziplinargericht bindend. Deshalb ist die Verteidigung im Strafverfahren zugleich Weichenstellung für das Disziplinarverfahren.

Eine koordinierte Verteidigungsstrategie berücksichtigt von Anfang an beide Verfahrenswege. Ein Freispruch oder eine Einstellung des Strafverfahrens kann die Grundlage für die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis entziehen. Umgekehrt kann eine Verurteilung — selbst zu einer Geldstrafe — im Disziplinarverfahren schwerwiegende Folgen haben, die weit über die Strafe hinausreichen.

Beamtengruppen mit besonderen Risiken

Bestimmte Beamtengruppen sind aufgrund ihres Tätigkeitsfelds besonders exponiert. Polizeibeamte stehen unter verschärfter öffentlicher Beobachtung; Körperverletzung im Amt, Nötigung oder Verstöße gegen das Datenschutzrecht gehören zu den häufigsten Vorwürfen. Lehrkräfte riskieren bei Sexualstraftaten oder Betäubungsmitteldelikten den sofortigen Statusverlust. Finanz- und Zollbeamte sind bei Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung besonders gefährdet. Für jede Beamtengruppe gelten spezifische disziplinarrechtliche Maßstäbe, die die Verteidigung berücksichtigen muss.

Weitere Informationen

Diese Übersichtsseite gibt einen ersten Überblick über das Beamtenstrafrecht und Beamtendisziplinarrecht. Vertiefte Darstellungen finden Sie auf den Unterseiten:

Festnahme oder Durchsuchung? Sofort handeln.

Wenn Sie als Beamter mit einem strafrechtlichen oder disziplinarrechtlichen Vorwurf konfrontiert werden: Machen Sie keine Aussage — weder gegenüber dem Dienstherrn noch gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Kontaktieren Sie sofort einen Strafverteidiger. Auf unserer Erste-Hilfe-Seite finden Sie eine Übersicht Ihrer Rechte bei Festnahme, Durchsuchung und Vorladung.

Beamtenstrafrecht überschneidet sich häufig mit anderen Rechtsgebieten. Bei Korruptionsdelikten berät Rechtsanwalt Meyer auch im Wirtschaftsstrafrecht. Bei Betäubungsmitteldelikten finden Sie spezialisierte Informationen im Bereich Betäubungsmittelstrafrecht. Soldaten finden Informationen unter Wehrstrafrecht.

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