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Messer dabei — Straftat oder Bußgeld?

Kurzantwort: Drei Ebenen. Verbotene Gegenstände wie Springmesser, Butterflymesser, Faustmesser, Schlagringe, Stahlruten und Totschläger sind schon im Besitz strafbar (Anlage 2 Abschnitt 1 zum WaffG, § 52 WaffG). Einhandmesser und feststehende Messer mit einer Klinge über 12 cm dürfen Sie besitzen, aber nicht führen (§ 42a Abs. 1 Nr. 3 WaffG) — das ist eine Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro (§ 53 WaffG). Alles andere ist erlaubt, soweit keine Waffenverbotszone gilt.

Die Frage kommt fast immer nach einer Kontrolle, und fast immer lautet sie: Anzeige oder Bußgeld? Das hängt daran, in welche der drei Ebenen das Messer fällt.

Ebene 1: verbotene Gegenstände

Anlage 2 Abschnitt 1 zum Waffengesetz zählt die verbotenen Waffen auf. Dazu gehören Spring- und Fallmesser, Butterflymesser und Faustmesser ebenso wie Stahlruten, Totschläger und Schlagringe. Hier ist bereits der Besitz strafbar — es kommt nicht darauf an, ob Sie den Gegenstand mitgeführt oder zu Hause in der Schublade liegen haben.

Bei Springmessern gibt es eine Rückausnahme: Messer, deren Klinge seitlich aus dem Griff herausspringt, sind vom Verbot ausgenommen, wenn die Klinge höchstens 8,5 Zentimeter lang und nicht zweiseitig geschliffen ist. Ob Ihr Messer darunter fällt, entscheidet die Messung, nicht die Bezeichnung im Onlineshop.

Ebene 2: erlaubt zu besitzen, verboten zu führen

Verboten ist das Führen von Anscheinswaffen, von Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 sowie von Messern mit einhändig feststellbarer Klinge — den Einhandmessern — und von feststehenden Messern mit einer Klingenlänge über 12 Zentimeter (§ 42a Abs. 1 WaffG). Besitzen und zu Hause aufbewahren dürfen Sie diese Messer.

Das Verbot gilt nicht für den Transport in einem verschlossenen Behältnis. Und es gilt nicht, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt; § 42a Abs. 3 WaffG nennt dafür beispielhaft die Berufsausübung, die Brauchtumspflege, den Sport und allgemein anerkannte Zwecke. Der Handwerker mit dem Messer im Werkzeugkoffer ist damit auf der sicheren Seite, der Weg vom Baumarkt nach Hause ebenfalls, solange das Messer verpackt bleibt.

Ebene 3: erlaubt

Ein Taschenmesser mit zweihändig zu öffnender Klinge und ein feststehendes Messer mit einer Klinge bis 12 Zentimeter fallen nicht unter § 42a WaffG. Sie dürfen es mitführen — es sei denn, Sie befinden sich in einer Waffenverbotszone, die eine Landesbehörde ausgewiesen hat, oder die Hausordnung eines Veranstalters untersagt es.

Anzeige oder Bußgeld

Das Führungsverbot des § 42a Abs. 1 WaffG ist eine Ordnungswidrigkeit; geahndet wird sie mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro (§ 53 WaffG). Eine Straftat ist es erst, wenn der Gegenstand selbst verboten ist — dann greift § 52 WaffG, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe für den Umgang mit Gegenständen der Anlage 2.

Der praktische Unterschied ist erheblich. Eine Geldbuße kommt nicht in das Führungszeugnis und löst die waffenrechtliche Regelvermutung nicht aus. Eine Verurteilung nach § 52 WaffG kann beides — dazu die Seite Waffenrechtliche Zuverlässigkeit.

Sicherstellung und Einziehung

Auch bei einer Ordnungswidrigkeit kann das Messer sichergestellt und später eingezogen werden. Ein Anspruch, es nach dem Verfahren zurückzubekommen, besteht daher nicht ohne Weiteres; bei verbotenen Gegenständen scheidet die Rückgabe von vornherein aus.

Mein Vorgehen

Ich lasse als Erstes messen und einordnen: Klingenlänge, Öffnungsmechanismus, Schliff. Ein erheblicher Teil der Verfahren erledigt sich daran, dass das Messer nicht ist, wofür die Kontrolle es gehalten hat. Bleibt es bei einem Verstoß, geht es um das berechtigte Interesse nach § 42a Abs. 3 WaffG — und das lässt sich belegen, wenn man es früh vorträgt statt erst im Bußgeldverfahren.

Häufige Fragen zum Messerrecht

Ist allein der Besitz eines Springmessers strafbar?
Spring- und Fallmesser stehen als verbotene Waffen in Anlage 2 Abschnitt 1 zum Waffengesetz; dort ist bereits der Besitz strafbar (§ 52 WaffG), unabhängig davon, ob Sie das Messer mitgeführt haben. Ausgenommen sind Messer, deren Klinge seitlich aus dem Griff herausspringt, wenn die Klinge höchstens 8,5 Zentimeter lang und nicht zweiseitig geschliffen ist. Ob Ihr Messer darunterfällt, entscheidet die Messung.
Woran erkenne ich, ob mein Messer ein verbotenes Einhandmesser ist?
Auf den Öffnungsmechanismus kommt es an: § 42a Abs. 1 Nr. 3 WaffG erfasst Messer mit einhändig feststellbarer Klinge. Verboten ist dabei nicht der Besitz, sondern das Führen. Dasselbe gilt für feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 Zentimeter. Ein Taschenmesser, das sich nur mit zwei Händen öffnen lässt, fällt nicht darunter.
Die Polizei hat bei einer Kontrolle mein Klappmesser gefunden — Anzeige oder Bußgeld?
Fällt das Messer unter das Führungsverbot des § 42a Abs. 1 WaffG, ist es eine Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro (§ 53 WaffG) — kein Eintrag im Führungszeugnis und keine waffenrechtliche Regelvermutung. Ist der Gegenstand dagegen als solcher verboten, etwa ein Butterflymesser, greift § 52 WaffG mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Die Einordnung entscheidet sich an Klingenlänge, Öffnungsmechanismus und Schliff.
Darf ich mein Klappmesser im Auto liegen lassen?
Das Führungsverbot gilt nicht für den Transport in einem verschlossenen Behältnis (§ 42a Abs. 2 WaffG). Ein Messer, das offen im Handschuhfach oder in der Mittelkonsole liegt, wird davon nicht erfasst — verpackt in einem verschlossenen Koffer oder einer verschlossenen Box dagegen schon. Daneben kann ein berechtigtes Interesse nach § 42a Abs. 3 WaffG greifen, etwa bei der Berufsausübung.
Ich brauche mein Messer für die Arbeit — zählt das als echter Grund?
Ja, die Berufsausübung ist in § 42a Abs. 3 WaffG ausdrücklich als berechtigtes Interesse genannt, neben Brauchtumspflege, Sport und allgemein anerkannten Zwecken. Belegen sollten Sie es früh und konkret: Tätigkeit, Einsatzzweck, gegebenenfalls eine Bestätigung des Arbeitgebers. Nachgereicht im Bußgeldverfahren wirkt derselbe Vortrag deutlich schwächer.
Mein Kind wurde in der Schule mit einem Messer erwischt — was passiert jetzt?
Rechtlich gilt dieselbe Dreiteilung: verbotener Gegenstand, Führungsverbot oder erlaubt. Hinzu kommt, dass bei Jugendlichen das Jugendstrafrecht gilt und die Schule ihre eigenen Ordnungsmaßnahmen trifft, die vom Ausgang des Verfahrens unabhängig sind. Ordnen Sie zuerst den Gegenstand ein, bevor Sie gegenüber Schule oder Polizei etwas erklären; mehr zum Verfahrensgang unter Jugendstrafrecht.
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